Verband der heimatkundlich-
historischen Vereine Saarlouis e.V.

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Vom Rodener Wald zu den Fordwerke


Vortrag von Magda Spurk

Magda Spurk

Am 6. April hatte der Rodener Geschichtskreis zu einem Vortrag eingeladen, den Frau Magda Spurk vortrug. Thema: Vom Rodener Wald zu den Ford Werken Die zweite Vorsitzende Lydia Mittermüller begrüßte Frau Spurk und die Mitglieder und Gäste recht herzlich. Frau Spurk unterrichtet im Max Plank Gymnasium in Saarlouis Deutsch und Geschichte. Auch konnte eine ehemalige Schülerin, Frau Anette Rau, begrüßt werden. Einen besonderen Gruß galt Herrn Karl Hans, der im Anschluss seinen Film über die Entstehung der Ford Werke zeigte. Weiterhin führte Frau Lydia Mittermüller aus, dass Frau Spurk eine echte Rodenerin ist und auch für ihre Engagement „Gegen das Vergessen der Judenverfolgung“ und die Verlegung der Stolpersteine in Saarlouis imbolviert ist. In Ihrer Ausführung befasste sich Magda Spurk mit der Geschichte des Rodener Waldes um 1800 bis zum 16. Januar 1970. An diesem Tag läuft der erste Ford vom Band. Eindrucksvoll und mit detallierten Fakten, Zahlen und geschichtlichen Hintergründen verstand sie es, die anwesenden Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Einen großen Anteil an ihrer Arbeit verdankt sie den ehemaligen Vorsitzenden des OIV - Roden, Herrn Peter Konstroffer. Er hat bis zu seinem zu frühen Tod unermüdlich geholfen, Daten und Unterlagen zu diesem Thema ausfindig zu machen und zu Archivieren, sagte Frau Spurk. 

Die Nutzung des Waldes erstreckte sich in der Weide-, Laub und der Streunutzung. Er durfte nicht mit Fuhrwerken befahren werden. Alles, auch das gesammelte Laub, musste von Hand aus dem Wald getragen werden. Dadurch sollten Schäden im Wald vermieden werden. Der Wald hatte für die dörflich geprägte Gemeinschaft von Roden eine große wirtschaftliche und soziale Bedeutung. Er gab für viele Bauern, Tagelöhner, Handwerker und Arbeiter Lohn und Brot. Immer wieder versuchten die „Rodener“ ihren Wald zu behalten und zu nutzen, was leider nicht immer gelang. Durch die Zuwanderung im 19. Jahrhundert verfünffachte sich die Bevölkerung von Roden von 1.250 Einwohner bis auf über 7.500. Im Jahr 1866 stellte die Gemeinde einen Antrag, ein ca. 20 Hektar großes Waldstück abzuholzen. Dadurch sollte Neuland gewonnen werden, um es zu verpachten. Durch den Erlös aus dem Holzverkauf sollte die Finanzierung eines Schulgebäudes gesichert werden. Am 1. Oktober im Jahre 1907 erfolgte die Eingemeindung von Roden zur Stadt Saarlouis. Der Rodener Wald war jetzt Eigentum der Stadt Saarlouis. Bis dahin unterstand Roden der Bürgermeisterei Fraulautern 1919 wurde über den Verkauf des Waldes Verfügt. Es entstand ein riesiges Ödland. Der Verkauf war für die Rodener Bevölkerung ein schwerer Schlag Nach dem ersten Weltweltkrieg sollte die Kleinindustrie gefördert werden. Die Metzer Firma „Société Anonyme des Hauts-Fourneaux à Fonderies de Pont-à Mousson“ zeigte Interesse. Es sollte eine Konkurrenz zur Dillinger Hütte entstehen. Der Bedarf war ca. 250 Hektar. Der Rodener Wald hatte aber nur 150 Hektar. Das heißt, dass neben der Waldfläche auch Acker und Wiesengelände verkauft werden sollte. Es gab ein Hin und Her, Saarlouis hatte 18 Stimmen und Roden nur 12 im Stadtrat. Die Städter hatten also immer die Mehrheit bei den Entscheidungen. Nach der Rückgliederung an Deutschland 1936 hat der Bürgermeister Franz Schubert versucht das Gelände, denn von einem Wald konnte man nicht mehr reden, wieder aufzukaufen. Besitzer war mittlerweile nicht mehr das Hüttenwerk „Société Anonyme“, sondern die Tochtergesellschaft „Saar Industrie GmbH“. Seine Bemühungen scheiterten mit dem Beginn des 2. Weltkrieges. Erst in den 50 Jahren wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Am 02. Februar 1956 erwirbt die Stadt von der Saar-Industrie nach langen und zahlreichen Verhandlungen die Grundstücke. Im Südlichen Teil wurde 1956 ein Flugplatz errichtet, der bei der Rodener Bevölkerung eine sehr große Beachtung erhielt. Die alljährlichen Flugtage waren immer sehr gut besucht. Henry Ford errichtete außerhalb von Amerika 1925 zuerst ein kleineres Auto-Werk in Berlin, anschließend das Stammwerk im Köln. 1961 kam die Anfrage von Ford an die Saarländische Regierung, eine zweite Produktionsstätte neben Köln im Saarland zu gründen. Es wurde auf die Stadt Saarlouis verwiesen.

Mitte: Karl Hans

Der damalige Wirtschaftsminister der BRD, Ludwig Erhard, war Vermittler zwischen der Planungsgruppe der Ford-Werke und der saarländischen Regierung. 1964 legt der Stadtrat Saarlouis den Bebauungsplan für das Industriegebiet Röderberg vor. Am 29 März 1965 kam die Bitte von den FordWerken für ein Grundstücksangebot von 140 Hektar zwecks Errichtung eines neuen Autowerkes. Da Saarlouis nicht über genügend Grundstücke verfügte, sollten von „Privat“ Grundstücke aufgekauft werden. Es wurden Verhandlungen mit 300 Eigentümern aufgenommen. Der Konzern musste innerhalb eines Jahres die Bauauflage erfüllen. Die Stadt sorgt über GBS für neuen Wohnraum. Jetzt mussten alle Pachtverträge gekündigt werden. Bei den Rodener Bauern gab es berechtigte Existenzsorgen. Am 2. Dezember 1965 wurden die Grundstücksverträge mit der Stadt Saarlouis, der Dillinger Hütte und den Ford-Werken geschlossen. Am 14. März 1966 wurde die Baugenehmigung für vier Fabrikhallen erteilt. Am 16. September dann Grundsteinlegung und Beginn der Bauarbeiten. Der erste Ford rollte dann am 16 Januar 1970 vom Band. Heute sind die Ford-Werke hinter den ZF-Getrieben in Saarbrücken der mit 6700 Mitarbeite der zweit größte Arbeitgeber im Saarland. Im Anschluss an den Vortag von Frau Spurk wurde noch ein beeindruckender Film von Herr Karl Hans über die Bauarbeiten und Entstehung der Ford-Werke bis hin zum „Stapellauf“ des ersten Autos gezeigt. Herr Hans ist dabei alte Filme, die er besitzt, zu digitalisieren. Da kann man sich freuen, in absehbarer Zeit in der Heimatstube weitere bewegte Bilder aus Rodens gute, alte Zeit zu sehen. Wir werden es rechtzeitig mitteilen. Auszüge aus dem Bericht von Gilbert Bast, 1. Schriftführer Rodener Geschichtskreis e.V.

Fotos und Text : Hans Krabbenhöft