Verband der heimatkundlich-
historischen Vereine Saarlouis e.V.

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Gemeinsame Besichtigung der Senderanlage und des Torhaus Scharfeneck in Berus

Der Stadtverband der heimatkundlich-historischen Vereine Saarlouis lud zur Besichtigung der Sendeanlagen von Europa 1 in den Ortsteilen von Überherrn Felsberg-Berus. Die Exkursion fand unter der fachkundigen Führung von Herrn Melchior, einem früheren Mitarbeiter der Radiostation, statt. Der Langwellensender in Felsberg-Berus wird heute als Reservesender für Notfälle vorgehalten.

Torhaus Scharfeneck Berus

Nach der Besichtigung des Senders , ging die Reise weiter zum Torhaus Scharfeneck in Berus.

1235 wird Berus als „Bellus Ramus“ (schöner Zweig, schöne Bergnase) erstmals urkundlich genannt und es handelte sich um eine Grenzbefestigung der Herzöge von Lothringen.  

Ende des 16. Jahrhunderts wurden Stadt und Burg Berus neu befestigt. Aus dieser Zeit habt sich nur das Torhaus mit Torbogen erhalten.

Ebenso wie Wallerfangen wurde wurde Berus 1635 im 30jährigen Krieg verwüstet. 

DER BESUCH DER SENDEANLAGEN VON EUROPA 1

von Josef Theobald


EINFÜHRUNG

Die Langwellen sind elektromagnetische Wellen mit Wellenlängen von 1 – 10km, entsprechend 300 – 30 kHz (für Hörfunk 1050 – 2000 m bzw. 285 – 150kHz). Die Langwellen breiten sich als Bodenwelle aus, die der Erdkrümmung durch Beugung folgen und in diesem Wellenlängenbereich kaum von der Erde

absorbiert werden. Deshalb ist die Reichweite auch groß (besonders über den Meeren) und ebenso unabhängig von der Tageszeit. [1]

Die Anwendung der Langwelle im Hörfunkbereich war vor allem in Frankreich  und in den osteuropäischen Ländern verbreitet. Meist in den westeuropäischen Ländern, wie Westdeutschland und Luxemburg, setzte man auf die Mittelwelle,  die besonders in den Nachtstunden wegen der Eigenschaft als Raumwelle an Bedeutung gewann. So war der Sender Heusweiler (1421 kHz) von SR1 – Europawelle Saar in dieser Zeit auch in Nordafrika zu hören. Der Sender Marnach (1440 kHz) von RTL Radio war mit seinem englischsprachigen Programm nachts in weiten Teilen Großbritanniens zu empfangen.

Einer der wenigen Langwellensender in der alten Bundesrepublik war jener in Donebach (Ortsteil von Mudau im Neckar-Odenwald-Kreis), von dem die Sendungen des Deutschlandfunks auf der Frequenz von 153 kHz ausgestrahlt wurden. Zielrichtung war hier die frühere DDR, die selbst zwei Langwellensender beherbergte. Es war zum einen der Deutschlandsender (177 kHz), der in Oranienburg-Zehlendorf seinen Standort hatte und zum andern Radio Wolga, der Sender der sowjetischen Streitkräfte in der DDR, dessen Sender sich in Burg bei Magdeburg (261 kHz) befand. Diese Radiostation galt an den Werktagen am Mittag und am Vorabend als Relais für die deutschsprachigen Sendungen von Radio Moskau.

Im Jahre 1958 wurde die Langwelle zu einem Politikum zwischen der früheren

Sowjetführung und der chinesischen Staatsführung. Hier ging es darum, eine 

von einem Sowjetkommando kontrollierte gemeinsame Flotte und einen Lang-

wellensender aufzubauen. Dies wurde damals als ein Versuch gewertet, China

militärisch zu kontrollieren. [2]


GESCHICHTE DES SENDERS

Während des II. Weltkrieges arbeiteten sowohl französische als auch deutsche

Techniker der Telefunken AG beim Fernsehsender Paris. Weil aber nach dem

Krieg in Deutschland die entsprechende Infrastruktur zum Erliegen kam, blieben

die deutschen Kollegen weiterhin in Frankreich. So konnte im Oktober 1947 mit

einem regulären Programm von 12 Stunden gestartet werden. Aus diesem Um-

feld kamen auch die Bemühungen, neben dem Saarländischen Rundfunk eben-

falls Radio- und Fernsehsender mit entsprechender Konzession zuzulassen, die

auch ganz oder teilweise in ausländische Hände ging. Damals war man dem Trugschluss erlegen, die Aufrechterhaltung eines eigenen privaten Fernsehnetzes sei mit Hilfe befreundeter Gesellschaften durchaus möglich. Doch blieb allerdings der private Fernsehbereich stets defizitär. Das weitere Projekt „Europa 1“ dagegen gewann im Laufe der Jahre immer mehr an Bedeutung. Man schaffte es hier sogar, in die Gewinnzone zu kommen. [3]

In der zweiten Hälfte der Fünfziger Jahre begann sich allgemein die Situation im

Fernsehbereich zu wandeln. Das teure Fernsehen war nur noch durch Gebühren

zu finanzieren. Hier gingen allerdings die Zuwächse bei den Einnahmen zurück,

aber gleichzeitig nahmen die Ausgaben immer mehr zu. Die Einnahmen aus dem

Werbefunk, die bislang notleidende kulturelle Institutionen unterstützt hatten, sind

nun von den Anstalten für sich selbst verwendet worden. [4]

 

Nachdem die technischen Studien zur Bestimmung des Senderstandortes den Sauberg als bestgeeigneten Standort identifiziert hatten und die beiden 200 kW-Sender bei Thomson in Auftrag gegeben worden waren, wurde im Juni 1954 mit dem Bau der Sendestation begonnen. Als Architekt für das von vornherein als symbolträchtig geplante Gelände wurde zunächst der Franzose Jean Francois Guédy gewonnen, der – inspiriert von den im Saargau häufig aufzufindenden Versteinerungen in den Muschelkalksedimenten – die Senderhalle als gigantische Muschelkonstruktion entwarf. Die verglaste Spannbetonhalle mit Hängedach stand architekturhistorisch in der Tradition des Zeltbaues, stellte jedoch wegen des für die hängende Decke verwendeten Baumaterials (Spannbeton) eine architektonische wie materialtechnische Herausforderung ersten Grades dar. Dieser war nur sein Nachfolger gewachsen, der frühere Generalinspektor für Brücken und Straßen in Frankreich Eugène Freyssinet. Er ließ zur Verstärkung in Querrichtung sechs zusätzliche Zugbänder einbauen. Bis zur Fertigstellung dienten Holzbaracken als Provisorium für die Sendeanlage. Somit war der Sendebetrieb zum 1. Januar 1955 möglich.

Nach dem Sendebeginn gab es mehrere Beschwerden wegen der möglichen Interferenzen. Am hartnäckigsten waren die Beschwerden von Radio Luxemburg. Hier war ausschlaggebend der Konkurrenzkampf zwischen zwei privaten Gesellschaften. Die Luxemburger sahen „Europa 1“ als illegalen Aggressor, der die gewachsenen Rechte von Radio Luxemburg verletzt. Damit war die Rolle der Saarländischen  Regierung als Vermittler gefragt. Bei einem Treffen am 2. März 1955 wurden verschiedene Lösungen diskutiert. Schließlich einigte man sich darauf, künftig die Frequenz 182 kHz zu nutzen. Spätere Testsendungen hatten ergeben, dass es nicht zu den befürchteten Interferenzen kam. Dabei nahm man billigend in Kauf, dass der in der DDR befindliche Deutschlandsender aus Oranienburg gestört wurde. Dieser wurde im Westen als kommunistischer Propagandasender eingestuft. Am 21. April 1975 einigten sich deutsche und französische Experten darüber, dass sowohl Frankreich als auch Deutschland zwei Langwellen- frequenzen zugesprochen wurden. Auf der deutschen Seite betraf dies die Zweitfrequenz 209 kHz für den Deutschlandfunk. Mit dem Inkrafttreten des Genfer Wellenplans bezüglich der Langwelle am 13. 11. 1978 waren nun damit offiziell die langjährigen deutsch-französischen Streitigkeiten um den internationalen Status von „Europa 1“ beigelegt, da dessen Frequenz fortan Frankreich zugeteilt war. Mit dem Sendebetrieb musste in kürzester Zeit eine Redaktion aufgebaut werden, die dem Sender ein eigenes Profil geben musste. Erster Programmchef war Pierre

Sabbagh, ein damals erfahrener Rundfunkmann. Die weiteren Journalisten kamen von den Printmedien und mussten erst das Rundfunkhandwerk bei „Europa 1“ erlernen. Es herrschte eine erfrischende Unkonventionalität in der Programmgestaltung vor. Dies machte den Sender „Europa 1“ in relativ kurzer Zeit zu einem der  beliebtesten und meistgehörten Sender im französischsprachigen Raum. Daran sehr großen Anteil hatten Louis Merlin und Charles Michelson, die man vom Konkurrenten Radio Luxemburg abwerben konnte. Gemeinsam mit einer jungen Mannschaft von engagierten und experimentierfreudigen Journalisten entwickelte Merlin neue Sendeformate, die sich besonders durch einen direkteren wie authentischen Stil auszeichneten. Auch setzte man eine Trennung von Werbung und Unterhaltungsbzw. Informationsformaten durch, das eine größere Flexibilität in der Programmplanung ermöglichte. Dies wurde sowohl von den Sponsoren als auch von den Hörern gleichermaßen als attraktive Neuerung empfunden.

Als Beispiel soll hier der Stil der Berichterstattung angesichts der großen Überschwemmungen im September 1955 gelten, als die Seine an zahlreichen Stellen über die Ufer trat und große Landstriche unter Wasser setzte. Mit Hilfe der neuen portablen Magnetaufzeichnungsgeräte aus der Schweiz (Firma Nagra) wurde die neue Form eines Sensationsjournalismus möglich, der sich durch erhöhte Authentizität und Unmittelbarkeit auszeichnete.

Die finanziellen Schwierigkeiten der französischen Radioindustrie und der kreditgebenden Bank wirkten sich unmittelbar auf die Finanzlage des Senders aus, der seinen Angestellten im Laufe des Jahres 1955 mehrfach Geldeinbußen oder gar Kündigungen zumuten musste. Erst der Einstieg von Sylvain Floirat von Anfang 1956 an sorgten für eine finanztechnische Stabilisierung der Lage.

In den Folgejahren konzentrierte man sich verstärkt auf den kommerziellen Hörfunk und trennte sich von der Fernsehsparte. Auf der Vorstandssitzung vom 26.Juni 1959 wurde daraufhin beschlossen, die Saarländische Fernseh-AG umzubenennen und ihr den neuen Firmennamen „Europäische Rundfunk- und Fernseh-AG“ zu geben. [3] Hiermit wurde dem verstärkten europäischen Gedanken

in dieser Zeit Rechnung getragen.

Wie in Deutschland sorgten die privaten Radiostationen innerhalb eines öffentlich-rechtlichen Systems auch in Frankreich für heiße Diskussionen. Den Ausweg fand man in der staatlichen Beteiligung an den privaten Sendern. So entstand die vom französischen Staat kontrollierte Beteiligungsgesellschaft SOFIRAD, Bei der „Europäischen Rundfunk- und Fernseh-AG“ bedeutete dies, dass die SOFIRAD in den Achtziger Jahren noch mit 34 % am Unternehmen beteiligt war. Durch die Doppelstimmrechte und weiteren Absprachen hielt man mehr als 55 % der Stimmrechte, so dass die SOFIRAD im Namen der französischen Regierung praktisch Hausherr war. [5] So war das Sendegelände in Felsberg-Berus französisches Sperrgebiet und unterstand französischen Hoheitsrechten. Die Sendestudios standen in Paris. Über eine telefonische Standleitung wurden die Sendungen nach Felsberg-Berus überspielt und mit der dortigen Technik ausgestrahlt.

Das Konzept des Hörfunks in Frankreich unterscheidet sich gewaltig von dem in Deutschland. Bei uns regiert das Musikformat. Die Gründe liegen in den Anfängen des privaten Rundfunks, als die Diskotheken starken Einfluss auf das Musikprogramm ausübten. Hier hat die Musik Vorrang vor dem gesprochenen Wort. In Frankreich hat das Wort einen höheren Anteil. Dies gilt ebenso für die kombinierten Wort- und Musikprogramme. Demnach besteht ein Großteil des Programmes aus Talk-Sendungen bzw. Sendungen mit Hörerbeteiligung. Nachrichten, Hintergrundsendungen, Interviews, Comedy- und Spielshows nehmen ebenfalls einen breiten Raum ein. Die Musik-Sender haben also in Frankreich nicht die Popularität wie bei uns. Da bis 1981 in Frankreich keine Privatsender zugelassen waren, war man auf Langwellensender angewiesen, die vom grenznahen Ausland Programme für französische Hörer ausstrahlten. Daher hatte die

Langwelle in Frankreich eine andere Bedeutung als in Deutschland.

Mit der Liberalisierung der Radioszene im Saarland ist mit der „Euro-Radio-Saar GmbH“ eine neue Ära eingeleitet worden. Man erhielt nun eine feste UKW- (FM-) Frequenz zugeteilt und man konnte am 31. Dezember 1989 die ersten Sendungen unter dem Namen „Radio Salü“ ausstrahlen. Damit waren die langjährigen Bemühungen der „Europäischen Rundfunk- und Fernseh AG“ von Erfolg gekrönt, von

jetzt an im Saarland ein deutschsprachiges und kommerzielles Hörfunkprogramm auszustrahlen. Denn die bisherige Lesart der Privatfunkklausel im Saarländischen Rundfunkgesetz beschränkte den kommerziellen Hörfunk auf französischsprachige Programminhalte.

Die „Europäische Rundfunk- und Fernseh-AG“ und ihre Beteiligungen gehören heute zur Groupe Lagardère, einem großen französischen Medienkonzern.


ANMERKUNGEN

[1] Meyers Lexikon der Naturwissenschaften, im Meyers Lexikonverlag erschienen, Mannheim 2008, Seite 528.

[2] CHRONIK DER VOLKSREPUBLIK CHINA (1949-1984), Verlag für fremdsprachige Literatur erschienen, Beijing China 1986, Seite 22.

[3] Medienlandschaft Saar von 1945 bis in die Gegenwart, Band I: Medien zwischen Demokratisierung und Kontrolle (1945-1955), R. Oldenbourg Verlag, München 2010, die Seiten 246, 250/51, 280 – 295.

[4] Konrad Dussel, Deutsche Rundfunkgeschichte, 2. überarbeitete Auflage, UKV-Verlagsgesellschaft, Konstanz 2004, Seite 201.

[5] SOFIRAD – DER STILLE RIESE, Autor: Thomas Kossatz, im Kurier Nr. 15/16 - 1984 der ADDX e. V., die Seiten 7/8.